Was ein Haflinger Pferd mit Glaubenssätzen zu tun hat oder wie aus einer kleinen dicken Raupe ein wunderschöner Schmetterling wurde…….

In meiner Arbeit als Kinder-, Mütter- und Familiencoach und auch bei meinen Seminaren stoße ich immer wieder auf ein Thema:

Denkmuster, auch Glaubenssätze genannt, die unser Denken, Handeln und Fühlen unbewusst steuern, ob wir wollen oder nicht….grundsätzlich sind diese Glaubenssätze ja etwas Positives, denn sie beschützen uns und lassen uns an etwas glauben. Negativ wirken sie erst dann, wenn sie uns vermeintlich immer wieder Steine in den Weg legen und wir einfach nicht weiter gehen können.

Die Glaubenssatzarbeit ist eine meiner liebsten Methoden in der täglichen Praxis, da es so toll zu beobachten ist, was für ein Veränderungsprozess angestoßen wird, wenn man diesen kleinen Beeinflussern auf den Grund geht, Sie erkennt und auflöst…..

Aber was sind überhaupt Glaubenssätze und wie entstehen sie?

Glaubenssätze entstehen in unserer Kindheit und Jugend. Je nachdem wie wir erzogen, geleitet oder beeinflusst wurden manifestieren sich diese Denkmuster in unserem Unterbewusstsein, und haben einen großen Einfluss darauf, wie wir die Welt wahrnehmen, sie bewerten und unsere Schlüsse daraus ziehen.

Ein negatives Beispiel:

Wenn ein Kind immer nur hört: „ Du kannst das noch nicht“, „Du bist zu dumm“, „Dein Bruder ist viel schlauer als Du“ wird sich bei diesem Kind wahrscheinlich der Glaubenssatz „ich kann nichts“, „ich bin dumm“, „ich bin nichts wert“ o.ä. im Unterbewusstsein abspeichern und im schlimmsten Fall bekommt dieser dann heranwachsende Mensch auch ständig die Bestätigung, denn sein Denkmuster/Glaubenssatz „ich bin dumm“ wird sich unbewusst immer wieder Platz verschaffen, wenn es darum geht, etwas zu leisten oder mal aus seiner Komfortzone heraus zu treten.

Meine Geschichte:

Durch meine eigene Coaching Ausbildung musste auch ich mich mit meinen Glaubenssätzen auseinander setzen, das war sehr schmerzhaft und tränenreich und doch so bereichernd für mein jetziges Leben! Der Klassiker: „ich bin nicht gut genug“ hat mich jahrzehntelang blockiert und mich denken lassen, das ich Dinge gar nicht ausprobieren brauche, denn ich schaffe es ja eh nicht. Der Gedanke: „ich würde so gerne aber ich traue mich nicht“ beeinflusste viel zu lange mein Leben!

Als ich mich neulich mit meinen Eltern einmal darüber unterhalten habe sagte mein Vater: „also von uns hast Du das nicht, wie haben das nie zu Dir gesagt“. Und recht hat er…meine Eltern haben das nie zu mir gesagt aber ich war/bin, die einzige von uns drei Kindern mit blonden Haaren und blauen Augen, auch meine Eltern sind dunkel und wie oft ich als Kind den Spruch gehört habe ich sei wohl vom Postboten (natürlich immer witzig gemeint), habe ich irgendwann aufgehört zu zählen.

Aber so etwas bleibt im kindlichen Unterbewusstsein („ich bin anders“, „ich gehöre nicht dazu“) haften.
Auch bin ich die Einzige von uns dreien, die nie ein eigenes Zimmer hatte, die sich mit dem Abitur am Schwersten getan hat, die immer etwas pummeliger war als meine Geschwister, die nie im Ausland war und daher auch kein gutes Fremdsprachenverständnis besitzt (auch ein Glaubenssatz: „ich kann keine Fremdsprache“) und so könnte ich hier noch viel mehr aufzählen.……in meiner kindlichen subjektiven Wahrnehmung waren alle toll und ich eben nicht….ich war nicht so gut! Und so habe ich mir selber eben auch nie etwas zugetraut.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, ich bin sehr behütet und liebevoll aufgewachsen und ich habe eine tolle Familie und die liebsten Eltern der Welt. Ich möchte vielmehr aufzeigen, wie entscheidend die eigene subjektive Wahrnehmung der Welt dazu beiträgt, Dinge zu bewerten und dann irgendwann auch daran zu glauben und wie einfach es geht, bei Kindern (unwissend, denn Eltern tun alles im besten Wissen und Gewissen) falsche bzw. hinderliche Denkmuster festzusetzen.

Ein weiteres Beispiel:

Meine Mutter sagte einmal zu mir (sorry Mama, ich weiß, Du magst die Geschichte nicht…und ich weiß, dass es nicht böse gemeint war:-)):

„Tina, wenn Du ein Tier wärst, dann wärst Du ein Haflinger Pferd“.

Bääm das schoss direkt ins Unterbewusstsein. Durch unsere tollen Urlaube auf dem Bauernhof waren mir diese Pferde durchaus bekannt. Die großen, kräftigen, bernsteinfarbenen Lastentiere mit ihrer blonden Wallemähne und einem riesigen breiten Hinterteil, die so schnell nichts umhaut. Und so fühlte ich mich jahrelang immer etwas zu groß, immer etwas zu kräftig, wünschte mir immer einen kleineren zarteren Hintern und ich musste mir erst auf der Klassenfahrt den rechten Arm brechen (unbeabsichtigt, versteht sich), ehe ich endlich meine dicken blonden langen Haare zu einer schönen Kurzhaarfrisur schneiden durfte, da ich mich mit links nicht kämmen konnte.
Bis heute haut mich auch nichts so schnell um, ich bin ein Arbeitstier und neige eher zum „Boreout“ als zum „Burnout“. Ich bin wie ein Haflinger!

Neulich unterhielt ich mich mit der Mutter einer 16 jährigen Klientin, mit der ich zuvor ihre Glaubenssätze bearbeitet hatte und erzählte ihr die Haflingergeschichte. Die Mutter drehte sich auf dem Absatz um, rannte ins Wohnzimmer und kam mit einem Foto eines dunklen Pferdes wieder und sagte: „Frau Becker, wenn Sie noch jemals glauben, dass Sie ein Haflinger Pferd sind, dann bitte dieses hier…das ist unser Lieblingspferd – ein Araber Haflinger. Schauen Sie sich das Feuer in den Augen an, die Energie, die man an den Nüstern sehen kann, die aufgestellten, aufmerksamen Ohren, den stolzen Kopf! Wenn überhaupt, dann sind Sie diese Rasse…“. In dem Moment hätte ich die Mutter knutschen können, denn ich war so gerührt über diese Ausführung. Sie ist sich bis heute nicht bewusst, was sie damit Positives in mir ausgelöst hat, durch einen einfachen Perspektivwechsel.

Ich bin so dankbar, meine Glaubenssätze aufgelöst zu haben, denn heute weiß ich wer ich bin, was ich kann und was alles möglich ist und wie viel Spaß es macht, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten. Was würde ich aber dafür geben, wenn ich als junges Mädchen einen Coach an der Seite gehabt hätte, der mir diese blockierenden Gedanken genommen hätte (Eltern sind einfach viel zu nah dran)… was hätte ich mich alles viel früher getraut. Aber damals gab es solch eine Unterstützung noch nicht.

Aber eins habe ich dadurch auch gelernt: es ist nie zu spät für eine Veränderung und man sollte seine Energie nicht dadurch verschwenden, nur in die Vergangenheit zu schauen.
Ich bin sehr dankbar mit meinen Erfahrungen heute Jugendlichen und Eltern zur Seite stehen zu dürfen, die mir vertrauen und erkannt haben, wie positiv ein Blick von außen wirken und verändern kann – und das so früh wie möglich!!

Ich möchte alle Eltern sensibilisieren bewusster in die Kommunikation (auch nonverbal) mit ihrem Kind zu gehen, denn man weiß nie genau, wie das Kind Gesagtes einordnet und mit welchen Sinnen es die Welt wahrnimmt. Üben Sie positive Sprache, reflektieren Sie Ihre eigenen Denkmuster, die immer dann aufploppen und Sie beherrschen, wenn Ihr Kind nicht so reagiert, wie Sie es sich vorstellen. Und wenn Sie nicht wissen, wie das geht und woran das liegt, rufen Sie mich an!

Noch eine kleine Geschichte zum Schluss:

Als meine kleine süße Nichte noch nicht ganz ein Jahr alt und der Babyspeck nicht zu übersehen war, sagte mein Bruder immer liebevoll zu ihr: „meine kleine dicke Raupe“. Ich sensibilisierte ihn für das Thema Glaubenssätze und fortan sagte er zu ihr: „aus Dir wird auch mal ein wunderschöner Schmetterling“.

Und so ist es auch gekommen :-). So viel zum Thema positive Sprache!

Danke an meine Eltern und Geschwister, dafür dass Ihr da seid und dass es durch Euch so tolle Geschichten gibt!

Ich freue mich über zahlreiche Kommentare und Glaubenssatzgeschichten!

Christina Becker – Ihr Kinder- und Familiencoach

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Haben Sie schon einmal einen Kaktus umarmt?

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Als junges Mädchen war ich mit meinen Eltern im Urlaub an der Cote d´Azur. Bei dem Versuch ein Foto zu machen ging mein Vater in Position und ehe er sich versah stieß er mit seinem Kopf an einen Kaktus. Da mein Vater solange ich denken kann ziemlich haarlos war, hatten sich bestimmt 50 kleine Stacheln auf seinem Kopf platziert und es sah so aus, als ob wieder Haare wachsen. Für uns Kinder war das natürlich sehr amüsant und wir bekamen uns vor Lachen nicht mehr ein!
Mein Vater fand das gar nicht so lustig, denn es war wohl sehr schmerzhaft und die nächsten Tage war er mehr mit dem Kopf im Wasser, als mit dem Körper, nur um die Kopfhaut aufzuweichen und die Stacheln entfernen zu können.

Nicht nur mein Vater weiß seitdem, wie sehr die Stacheln eines Kaktus` wehtun, ich glaube niemand würde freiwillig einen umarmen wollen.

Nehmen wir jetzt mal den Kaktus als Symbol für das Kind, die Eltern oder auch für die ganze Familie, dann stehen diese Stacheln für Ängste, Stress, negative Gedanken, Wutausbrüche, Pubertät, Tränen, fehlende Kommunikation, Liebeskummer, Mobbing, Schulsorgen und allem, was der Familie Sorgen bereitet.
Ich bin mir sicher, dass auch mein Vater außer von den Stacheln auf dem Kopf von vielen Stacheln berichten könnte, mit denen ich und meine Geschwister ihm in unserem Aufwachsen gepikst und wehgetan haben. Aber auch wir Kinder wurden von unseren Eltern „gestochen“ – vermeintlich fühlend mit unseren kindlichen Emotionen.

Doch wie schafft man es, diese Stacheln wieder weich und zart zu machen, sodass eine Pflanze zum Vorschein kommt, die sich in ihrer vollen Vielfalt entfalten kann, mit der sich jeder Wohlfühlt und die nicht mehr wehtut?

Ich habe die dankbare Aufgabe als Kinder- und Familiencoach  Kindern und Eltern bei ihren „Bauchschmerzen“ zur Seite zu stehen und sie dabei zu unterstützen, diese wieder loszuwerden. Oft bedarf es nur einem kleinen Impuls, einer kleinen Übung, einer Reflektion oder auch dem „Drehen eines Schräubchens“, um Freude, Zufriedenheit und Entspannung in die Familie zurück zu bringen.

Worüber ich immer wieder überrascht bin ist die erste Reaktion der Eltern. Fast alle Eltern, die ich unterstützen darf, erwähnen als Allererstes: “ jetzt kommt bestimmt raus, was ich alles falsch mache…“. Ich sage: Das ist wirklich ganz großer Quatsch! Grundsätzlich machen Sie als Eltern alles im besten Wissen und Gewissen (es sei denn wir sprechen von Missbrauch und Misshandlung) und sich Hilfe von außen zu holen ist eine GRÖßE, denn Sie sorgen sich um ihr Kind und holen Hilfe, wo Sie alleine nicht mehr weiter wissen, weil sie (meistens) zu nah dran sind.

Wenn ich nicht alleine meine Haare schneiden kann, gehe ich zum Friseur, wenn ich keine Lust habe mein Auto zu waschen fahre ich durch die Waschanlage und wenn ich keine Muße habe zu kochen, dann gehe ich in ein leckeres Restaurant. Warum ist es dann so abwegig, sich Hilfe für ein entspanntes Familienleben zu holen?

Ich möchte mit diesem Beitrag hier allen Eltern den Druck nehmen, alles perfekt machen zu müssen und sich dadurch unter Stress zu setzen. Manchmal ist loslassen, der beste Weg für alle Beteiligten und manchmal benötigt es nur das Drehen von den schon genannten Schräubchen und alles ist wieder gut!

Ziel meines Blogs ist es Kindern und Eltern hilfreiche Tipps zu geben, wie der Alltag entspannt Spaß wieder machen kann.

Heute habe ich die folgenden Fragen:

  • Wie oft haben Sie schon einen Kaktus umarmt?
  • Was waren die Stacheln und wie haben Sie die Stacheln wieder weich bekommen?
  • Was empfehlen Sie für ein entspanntes Familienleben?

Ich freue mich auf einen regen Austausch!

Christina Becker – Ihr Kinder- und Familiencoach

 

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